ALLA PANORAMICA

Grosse Reichweite, einfache Botschaften

Kommunikation SSO
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zwei junge Frauen lachen

Kurze Videos zu Mundgesundheit erreichen auf Instagram, TikTok oder YouTube Millionen von Menschen. Doch hohe Reichweite sagt nichts darüber aus, ob der Beitrag korrekt ist. Diese Entwicklung beschäftigt inzwischen auch die Politik. Worauf Sie achten können.

Social-Media-Plattformen sind darauf ausgelegt, Inhalte mit hoher Interaktion sichtbar zu machen. Sie sind nicht darauf ausgelegt, ihre wissenschaftliche Qualität zu prüfen. Emotionale und einfach formulierte Botschaften werden stärker geteilt als differenzierte Informationen. Dabei werden häufig Versprechen gemacht, die wissenschaftlich nicht belegt sind. Wer online als Fachperson auftritt, ist aber nicht automatisch fachlich qualifiziert.

Diese Entwicklung bleibt nicht unbemerkt: Anfang Juni wurde im Parlament eine Interpellation an den Bundesrat eingereicht. Er soll prüfen, ob bestehende Gesetze im digitalen Raum ausreichen. Im Zentrum stehen zwei Anliegen: der Schutz der öffentlichen Gesundheit vor irreführenden Gesundheitsversprechen sowie der Konsumentenschutz bei unzureichend gekennzeichneter Werbung. Bis entsprechende Regeln stehen, müssen Nutzerinnen und Nutzer selber prüfen.

Vorsicht bei Heilsversprechen ausserhalb der Schulmedizin

Viele Beiträge versprechen schnelle Heilung durch Methoden ausserhalb der etablierten Medizin und wirken dabei überzeugend und seriös. Aus fachlicher Sicht fehlt solchen Aussagen jedoch die klinische Evidenz. Inhalte zu neuen Methoden in der Zahnmedizin oder Fakten über die Mundgesundheit können sich in sozialen Medien verbreiten, bevor ihre Wirksamkeit und Sicherheit ausreichend untersucht wurden. Gerade bei solchen Themen stammen Beiträge zudem nicht immer von unabhängigen Fachpersonen, sondern können von Personen oder Unternehmen mit finanziellem Interesse verbreitet werden. Wird in einem Beitrag direkt auf ein Produkt verwiesen oder dieses beworben, ist deshalb Vorsicht angebracht.

Einige Fragen helfen bei der Einordnung:

  • Wer steckt hinter dem Beitrag?
  • Wird ein Produkt verkauft oder verlinkt?
  • Wird ein Produkt besonders positiv dargestellt?
  • Werden konkrete Heilversprechen gemacht?

Warum wir Online-Tipps so leicht vertrauen

Dass uns ein Beitrag angezeigt wird, bedeutet zunächst nur, dass er vom Algorithmus als relevant für uns eingestuft wurde oder viele Reaktionen auslöst. Es sind psychologische Mechanismen, die  beeinflussen, wie wir Informationen wahrnehmen:

  • Einen selbstsicheren Auftritt verbinden wir unbewusst mit Kompetenz.
  • Informationen nehmen wir eher an, wenn sie unsere bestehenden Überzeugungen oder Wünsche bestätigen.
  • Inhalte, die starke Gefühle wie Angst oder Hoffnung auslösen, werden häufiger geteilt.
  • Je öfter uns ein Tipp begegnet, desto vertrauter und dadurch auch plausibler erscheint er.

Wer einen Online-Tipp ausprobiert, geht ein Risiko ein. Zum Beispiel, wenn bewährte Massnahmen wie das Zähneputzen mit fluoridierter Zahnpasta durch nicht belegte Alternativen ersetzt werden. Auch der Versuch, ein Zahnproblem selbst zu behandeln, kann Folgen haben: Der Zustand des Zahns kann sich verschlimmern, und eine spätere Behandlung kann dadurch aufwendiger und teurer werden. Bringen Sie deshalb Ihre Fragen zum nächsten Termin in der Zahnarztpraxis mit. Ihr Praxisteam hilft Ihnen, den Tipp einzuordnen.