Nach langer Suche findet eine Praxis endlich die ideale neue Dentalassistentin. Dann der Schock: Die Neue kündigt bereits in der Probezeit wieder. Eine ärgerliche Situation für die Praxisinhaberin: Der gesamte Rekrutierungsprozess beginnt von vorne. Das ist teuer und zeitaufwendig.
Bis zu 87 000 Franken Kosten
Studien zeigen: Die Suche nach Ersatz kostet durchschnittlich 50 000 bis 87 000 Franken, Rekrutierung, Einarbeitung und Produktivitätsverlust eingerechnet.
Dass Mitarbeitende schnell wieder kündigen, liegt oftmals nicht am «Match», sondern an der ungenügenden Einführung des neuen Teammitglieds, dem sogenannten Onboarding. Laut der Brandon Hall Group, einer der führenden internationalen HR-Forschungsorganisationen, verbessert eine strukturierte Einarbeitung die Mitarbeiterbindung um 82 % und steigert die Produktivität um über 70 %. Dabei sind die ersten sechs Monate entscheidend – mehr als die Hälfte der frisch Angestellten kündigen in diesem Zeitfenster.
Die Zahlen stammen zwar aus der allgemeinen Wirtschaft und nicht spezifisch aus der Zahnarztbranche. Dass fehlendes Onboarding auch in den Praxen Kosten verursacht, ist aber unbestritten.
Wertschätzung zeigen
Vertrag, Berufskleider, Arbeitszeiten: Ein gutes Onboarding beginnt bereits vor dem ersten Arbeitstag. Rufen Sie beispielsweise drei Tage vor Arbeitsbeginn an und fragen Sie den neuen Mitarbeiter: «Freuen Sie sich? Haben Sie noch Fragen?» Solche kurzen Anrufe zeigen Wertschätzung.
Wichtig ist auch ein klares Einführungsprogramm. Vergessen Sie nicht, das gesamte Praxisteam zu informieren. Wer erklärt dem oder der Neuen die Hygieneprotokolle? Wer zeigt, wie die Behandlung am Stuhl funktioniert? Und wie lässt sich die Einführung mit dem Praxisbetrieb vereinbaren?
Erklären Sie Abläufe präzise, auch wenn sie Ihnen selbstverständlich erscheinen. Nicht jede Praxis arbeitet gleich. Und vergessen Sie nicht, dass auch die Integration ins Team zum Onboarding gehört. Die lockere Kaffeerunde ist deshalb genauso wichtig wie die strukturierte Praxisführung. In entspannter Atmosphäre werden Werte vermittelt und man baut gegenseitig Vertrauen auf.
Onboarding ist ein Marathon
Die Einarbeitungsphase dauert mindestens sechs Monate, idealerweise ein ganzes Jahr. Experten empfehlen gestaffelte Phasen. Orientierung bietet die 30-60-90-Methode. Das bedeutet: In den ersten 30 Tagen werden Grundlagen vermittelt. In den nächsten 30 Tagen bringt sich die neue Arbeitskraft bereits aktiver ein. Nach 90 Tagen übernimmt sie noch mehr Verantwortung und arbeitet weitestgehend selbstständig.
Regelmässiges Feedback ist dabei entscheidend. Am Anfang führt man vielleicht wöchentlich ein Gespräch, später nur noch einmal pro Monat oder Quartal. Nach sechs Monaten ist eine umfassende Standortbestimmung empfehlenswert.
Das Wichtigste ist: Nehmen Sie den Aufwand für die Einarbeitung auf sich. Gutes Onboarding kostet Zeit, schlechtes Onboarding kostet mehr. Nutzen Sie die untenstehende Checkliste als Startpunkt und passen Sie sie an Ihre Praxis an.