Das Modell der Gemeinschaftspraxis wird immer beliebter – vor allem bei jungen Zahnärztinnen und Zahnärzten. Auch Philipp Grohmann und Barbara Eisner führen ihre Praxis im aargauischen Berikon zu zweit. «Das Schöne ist, dass man im Praxisalltag eine Person mit den gleichen Interessen an seiner Seite hat», sagt Grohmann. Gewisse Aufgaben könne man gemeinsam besprechen oder untereinander aufteilen. Das sorgt für Entlastung. «Wenn man beispielsweise in den Ferien ist, kann sich die andere Person um die Praxis kümmern. Das ist bei einer Einzelpraxis deutlich komplizierter.»
Der Zahnarzt, der früher selbst eine Einzelpraxis geführt hat, streitet nicht ab, dass eine solche auch ihre Vorteile hat. «Wenn ich in einer Einzelpraxis die Wände gelb streichen will, tue ich es einfach. Wenn ich in einer Gemeinschaftspraxis diese Idee habe, muss ich es zuerst ausdiskutieren.» Letztlich sei das aber eigentlich auch eine Stärke der Gemeinschaftspraxis, da man mit Gegenargumenten konfrontiert werde, die man vielleicht nicht berücksichtigt hätte.
Charaktere müssen passen
Grohmann und Eisner haben beide den Fachzahnarzttitel in Zürich erworben. So hatten sie die gleiche Basis. Wichtig ist aus der Sicht von Grohmann aber vor allem, dass – wie in einer Partnerschaft im privaten Bereich! – die Charaktere zueinander passen. «In unserem Fall war es schlicht auch Glück, dass wir uns kennengelernt haben und die Praxis gemeinsam eröffnen konnten.» Er sieht auch einen Vorteil darin, dass die beiden Inhaber ein gemischtes Team sind. «Gerade für Mitarbeitende kann dies ein Vorteil sein, da man gewisse Dinge vielleicht lieber mit einer Frau oder einem Mann bespricht.» Für diese Fälle ist man in Berikon also gerüstet. Eine Übernahme zu zweit biete zudem einen positiven wirtschaftlichen Effekt, auch wenn dieser bei Grohmanns Entscheidung nur eine Nebenrolle spielte. «Es ist sicher gut, wenn man sich die Grundinvestitionen am Anfang teilen kann. Das war für mich aber nicht der erste Antrieb.»
Interesse nimmt zu – vor allem bei Männern
Grohmann geht davon aus, dass der Trend zu Gemeinschaftspraxen anhalten wird. Er beobachtet das Phänomen auch in seiner Tätigkeit in der Wirtschaftlichen Kommission der SSO, wo er für die Praxisschätzungen zuständig ist. «Das Interesse an einer Praxisübernahme zu zweit nimmt zu. Früher war es oft eher bei Frauen ein Thema, heute ist die Variante aber auch bei Männern beliebt.» Dennoch werde es auch weiterhin Einzelpraxen geben. Gewisse Praxen seien schlicht zu klein, um sie zu zweit zu übernehmen. Die Tätigkeit in der WiKo sei extrem spannend. Das Interesse an diesen Themen habe sich bei ihm mit der Zeit entwickelt. «Als Zahnarzt und Praxisinhaber führt man ein KMU, deshalb sind solche Themen sehr relevant.» «Man bleibt zwar im Gebiet der Zahnmedizin, erhält aber nochmals eine andere Sicht.» Und letztlich ist das Wissen, das man sich in der Verbandstätigkeit aneignet, auch für die eigene Praxis hilfreich. «Man eignet sich praktisch in jeder Sitzung Wissen an, das man im Alltag umsetzen kann.»