ALLA PANORAMICA

Der Mann hinter den Meister-Zähnen

Nicola Aerschmann, Kommunikation SSO
zVg
Mann steht vor Tribüne

Als Mannschaftszahnarzt von Gottéron arbeitet Julien Michlig eng mit den Spielern zusammen. Er gibt einen Einblick in seine Tätigkeit und erklärt, weshalb der Zahnschutz trotz seines grossen Nutzens im Eishockey ein heikles Thema ist.

«Eishockey ist für die Zähne klar ein Risikosport», sagt Julien Michlig. Er weiss, wovon er spricht: Er ist Team-zahnarzt des aktuellen Schweizer Meisters HC Fribourg-Gottéron. Zudem war er an der Eishockey-WM in der Schweiz offizieller Zahnarzt des Standorts Fribourg.

In seiner Karriere als Teamzahnarzt hat Michlig bereits zahlreiche Verletzungen behandelt – oft verursacht durch Pucks, Stöcke oder Checks. In Erinnerung geblieben ist ihm ein tschechischer Spieler, der an einem Vorbereitungsturnier im Kanton Fribourg spielte. «Bei einem Spiel gegen Fribourg kam es auf dem Eis zu einer Auseinandersetzung – sagen wir, die Situation war nicht sehr freundlich – und der Spieler erlitt eine Zahnverletzung.» Die tschechische Mannschaft war während des Turniers in der Region untergebracht, deshalb kümmerte sich Michlig um den Spieler, auch wenn dieser nicht bei Gottéron spielte. Es war eine fürs Hockey typische Szene: «Alles geht schnell, die Emotionen sind stark, und trotzdem muss ich ruhig, strukturiert und professionell handeln. Das ist eine Herausforderung.» Michlig, der selbst in der 1. Liga Fussball gespielt hat, hebt die Mentalität der Eishockeyspieler hervor: «Nach einer Zahnverletzung lautet die erste Frage oft nicht: ‹Wie schlimm ist es?›, sondern: ‹Wie schnell kann ich wieder aufs Eis?›»

Sportzahnmedizin umfasst jedoch mehr als nur die Behandlung von Verletzungen. Wichtig sind auch Prävention und eine gute Mundgesundheit im Allgemeinen. «Letzteres wird im Sport oft unterschätzt», so Michlig. Erkrankungen können sich nämlich negativ auf den gesamten Körper und die Leistungsfähigkeit auswirken. Michlig arbeitet eng mit dem Mannschaftsarzt zusammen. Auch Physiotherapeuten, Masseure und Trainer sind eingebunden. Und natürlich ist die Beziehung zu den Spielern entscheidend: «Gerade beim Zahnschutz braucht es Kommunikation und Geduld: Die beste Lösung bringt nichts, wenn der Spieler sie nicht akzeptiert.» Bei der Prävention sei es manchmal schwierig. «Einige möchten keinen Zahnschutz tragen, andere behalten einen alten, spröden und, ehrlich gesagt, nicht mehr sehr appetitlichen Zahnschutz, weil sie damit gut spielen oder Tore schiessen.» Da brauche es Aufklärung, Vertrauen und Fingerspitzengefühl. Bei den Heimspielen des HC Fribourg-Gottéron ist Michlig jeweils in der Arena präsent. Bei den Auswärtsspielen spricht er sich mit dem medizinischen Personal vor Ort oder dem Zahnarzt des gegnerischen Klubs ab. «Zwischen den Vereinszahnärzten besteht ein guter Austausch, damit nach einer Verletzung die Nachsorge am Heimatort weitergeführt werden kann.» Während der Trainings ist Michlig ebenfalls erreichbar, geplante Kontrollen oder Behandlungen führt er in seiner Praxis durch.

Die Tätigkeit bei Gottéron ist für Michlig mehr als ein Beruf – die Anfrage war ein besonderer Moment. «Wenn man im Kanton Fribourg aufgewachsen ist, begleitet einen dieser Verein seit der Kindheit – von den Zeiten mit Bykow und Chomutow bis heute.» Der erste Titel der Vereinsgeschichte in diesem Jahr war für Michlig ein Highlight. «Das war ein sehr emotionaler Moment.» Als Teamzahnarzt sei man Teil der Spielergarderobe, man erlebe Emotionen wie Freude und Enttäuschung mit. «Ein Meistertitel ist deshalb nicht nur ein sportliches Resultat, sondern ein Moment, den man mit dem Club, den Spielern, dem Staff und den Fans teilt.» Besonders in einem Klub wie Gottéron, um den es eine «unglaubliche Leidenschaft» gebe.

Aufgrund seiner Erfahrungen bei Gottéron kam Michlig auch zu seiner Rolle als Zahnarzt des Welteishockey-verbandes, für den er an der WM 2026 in der Schweiz tätig war. Bei einem solchen Grossanlass gibt es viele organisatorische Aufgaben. «Als Chief Dental Officer am Standort Fribourg geht es darum, die zahnmedizinische Betreuung vor Ort zu koordinieren und während des Turniers sicherzustellen.»

Med. dent. Julien Michlig

Eidg. dipl. Zahnarzt SSO
Julien Michlig ist seit 2014 ­ In­haber einer Praxis in Fribourg. Er arbeitet als Zahnarzt für­ Fribourg-Gottéron und für den Welteishockeyverband. ­Zudem ist er seit diesem Jahr Präsident der SSO Fribourg.

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