ALLA PANORAMICA

Den Traum von der eigenen Praxis verwirklichen

Nicola Aerschmann, Kommunikation SSO
Monika Flückiger
Angelo Vivacqua und Nathalie Oppliger. halten ihren Vortrag am SSO Campus 2026.

Die drei Referate am diesjährigen SSO Campus zeigten, wie die eigene Praxis Realität werden kann. Alle sind sich einig: Auch wenn nicht alles perfekt läuft – die gewonnene Freiheit ist das Risiko wert.

Nicht alles muss von Beginn an perfekt laufen. Davon können Zahnarzt Angelo Vivacqua und Zahnärztin Nathalie Oppliger ein Liedchen singen. Anfang 2020 haben die beiden eine Praxis in Basel übernommen. Der Umbau erwies sich als grössere Herausforderung als gedacht – kurz nach der Eröffnung kam auch noch die Corona-Pandemie dazu.

Trotzdem bereuen sie ihre «Weinidee» von 2010, gemeinsam eine Praxis zu gründen, nicht. «Ich wollte selbst entscheiden können», sagt Oppliger. Vivacqua stimmt ihr zu und sagt: «Ich habe als Angestellter oft die Faust im Sack gemacht.» Wobei beide zugeben, dass sie sich mittlerweile teilweise in ihren Chefs wiedererkennen.

Ein Zahnarzt muss nicht alles selbst wissen

Klar ist aber auch: Eine Praxisübernahme braucht Vorbereitung. Wer Zahnmedizin studiert hat, weiss beispielsweise bei finanziellen oder rechtlichen Themen nicht zwingend Bescheid. Vivacquas Appell an die jungen Zahnärztinnen und Zahnärzte: «Holt euch Hilfe bei Experten.»

Einer von ihnen ist Stefan Aregger. Der Treuhandexperte erklärte in seinem Referat, worauf man beim Geld achten muss. «Man muss die Kosten im Griff haben», sagt er. Besonders wichtig seien die Patientinnen und Patienten – ohne sie läuft eine Zahnarztpraxis schlicht nicht.

«Es ist sehr selten, dass eine Zahnarztpraxis Konkurs anmelden muss», sagt Aregger zwar. Wichtig seien aber Engagement und eine gute Planung, bei der man sich wenn nötig auch Unterstützung von Fachpersonen holt. «Heutzutage lässt sich ein Businessplan zwar theoretisch einfach mit KI erstellen. Aber ich würde das nicht empfehlen.»

Die eine Rechtsform gibt es laut Aregger nicht. Es ist individuell, was zur jeweiligen Praxis passt. Vivacqua und Oppliger haben sich für eine Gemeinschaftspraxis entschieden. Hier ist gegenseitiges Vertrauen enorm wichtig. «Lieber allein als mit dem falschen Partner», fasst es Vivacqua zusammen.

Als Arbeitgeber attraktiv bleiben

Mit der Gründung sind die Herausforderungen nicht abgeschlossen. Wichtig ist auch, dass man sich als Unternehmen im Markt gut positioniert – beispielsweise als Arbeitgeber. Hier liefert Berater Yannick Blättler, selbst Gründer eines Unternehmens, wertvolle Inputs, gerade was den Umgang mit jungen Leuten angeht.

«Ein junges Team ist genial», sagt Blättler. Aber es gebe auch Herausforderungen, beispielsweise fehle vielen naturgemäss die Erfahrung im Arbeitsmarkt. Wichtig ist deshalb, dass man als Arbeitgeber gut kommuniziert.

Unabhängig vom Alter der Angestellten ist eine offene Unternehmenskultur entscheidend. «Es braucht eine hohe psychologische Sicherheit, damit Leute Dinge ansprechen», so Blättler. Das kann eine Kritik sein, aber auch eine persönliche Information. Wenn Mitarbeitende beispielsweise ohne Angst frühzeitig über ihre Zukunftspläne informieren, sei das für den Arbeitgeber organisatorisch deutlich einfacher.

Zudem plädiert Blättler dafür, als Unternehmer mutig zu sein. Sein Motto, das er am Campus vermittelt: «Never go, never know.» Heisst: Wenn man es nie versucht, wird man es nie wissen.

«Pendel zwischen Euphorie und Panik»

Die Referentinnen und Referenten sind sich einig. Ein Unternehmen zu führen, bringt zwar Herausforderungen mit sich, aber es lohnt sich.

Blättler spricht von einem «Pendel zwischen Euphorie und Panik». Er würde den Schritt der Unternehmensgründung aber auf jeden Fall wieder machen. Gleiches gilt für Vivacqua und Oppliger. Und Aregger fasst es so zusammen: «Die unternehmerische Freiheit ist das Schönste.»

Mehr Bilder vom SSO Campus 2026 sowie die Präsentationen der Referierenden findest du hier:

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