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Wie die Zahnarztpraxis noch nachhaltiger werden kann

Dr. med. dent. Sabrina Steinmeier
istock
Abfall Zahnarztpraxis

Gerade bei jungen Zahnärztinnen und Zahnärzten ist das Bewusstsein darüber, dass natürliche Ressourcen beschränkt sind, omnipräsent. Dass wir es unserem Planeten und unseren Nachfahren schuldig sind, unsere Umwelt zu schonen, ist unumstritten. Einige Vorschläge, wie das in der Zahnarztpraxis noch besser gelingen kann.

Viele Zahnarztpraxen sind in den letzten Jahren bereits nachhaltiger geworden – und zwar durch die Digitalisierung. Zum Beispiel kann durch digitales Röntgen auf Chemikalien in der Praxis verzichtet werden, digitale Abformungen ersparen den Einsatz von Abdruckmaterialien und digitale Praxisverwaltung sowie digitale Kommunikation mit den Patienten ersparen uns Unmengen an Papier.

Auch die Vermeidung von Wegwerfprodukten ist in den meisten Köpfen bereits verankert. In gewissen Fällen ist es natürlich nicht möglich, auf Wegwerfprodukte zu verzichten, beispielsweise bei Handschuhen, Absaugkanülen oder Schläuchen. Denn das oberste Gebot in der Zahnarztpraxis muss stets die Wahrung der Qualitätsstandards und der Sicherheit sein. In solchen Fällen ist eine Möglichkeit, anstelle von PVC-Produkten auf Produkte aus Polyethylen zurückzugreifen. Diese sind zwar auch nicht von der Natur abbaubar, aber sie sind deutlich leichter zu rezyklieren und können bei der endgültigen Entsorgung rückstandslos zu Kohlenstoffdioxid und Wasser verbrannt werden. Zudem sind Produkte aus Polyethylen frei von Weichmachern.

Sehr naheliegende Einsparmöglichkeiten jedoch werden oftmals zu wenig wahrgenommen. Zum Beispiel eine intelligente Materialverwaltung: So könnte man die Materialbestellungen bündeln. Und zwar so, dass nicht mehrere Lieferungen pro Tag nötig sind. Bei länger lagerfähigen Materialien macht es auch durchaus Sinn, grössere Mengen auf einmal zu bestellen. Das spart Verpackungsmaterial und macht weniger Lieferungen notwenig.

Auch zum Energiesparen kann ganz einfach beigetragen werden, indem die Praxen gezielt auf unnötige „Stromfresser“ durchleuchtet werden. Zeitschaltuhren oder sich früh einschaltende Stand-by-Modi können hier beispielsweise etwas Abhilfe schaffen und den Energieverbrauch nur auf die effektiv benötigte Zeit minimieren. Wichtig ist hierbei, dass dies nicht nur in der Praxis umgesetzt wird, sondern auch in allen anderen Räumen, wie beispielsweise dem Aufenthaltsraum, der Küche, allfälligen Büros oder Umkleideräumen.

Abfalltrennung braucht Akzeptanz

Ein weiterer wichtiger Punkt: die Abfallentsorgung in der Praxis. Eine saubere Abfalltrennung ist in gewissen Bereichen gewünscht, in anderen erfordert.

Erwünscht ist die Trennung des Abfalls im Pausenraum: PET-Sammelbehälter, Altglas, Altpapier, Karton und Bioabfälle sollten separat gesammelt werden. Dafür braucht es Platz und die Akzeptanz der Mitarbeiter. Insbesondere letzteres geht oft vergessen und fordert uns umso mehr. Es ist nicht getan mit einer einmaligen Aufklärung: Erst steter Tropfen höhlt den Stein und ist im Sinne der Remotivation immer wieder nötig.

Erforderte Abfalltrennung betrifft amalgamhaltige Abfälle, Abfälle mit Verletzungsgefahr, Chemikalien und Altmedikamente. Die Trennung, Aufbewahrung und Entsorgung dieser Abfälle ist gesetzlich geregelt.

Nachhaltigkeit beim Neubau einer Praxis

Wird eine Praxis umgebaut oder gar neu erbaut, bieten sich noch viel mehr Möglichkeiten, die CO2-Emissionen von Anfang an niedrig zu halten.

So kann beispielsweise bei der Planung der Warmwasseraufbereitung Solarthermie in Betracht gezogen werden. Wasserhähne mit Bewegungssensoren limitieren den Wasserverbrauch auf die notwendige Menge. Auch moderne Toilettenanlagen sparen Wasser und zudem kann von Trink- auf Regenwasser umgestellt werden.

Eine Photovoltaikanlage bietet sich ebenfalls an, denn durch sie können nicht nur die Umweltemissionen niedrig gehalten werden, auch die Stromkosten sinken so langfristig.

Um die Raumtemperatur sowohl im Winter als auch im Sommer optimal zu halten und Heizressourcen zu sparen, sind eine gute Raumdämmung und eine Dach- und Fassadenbegrünung ebenfalls sinnvoll.

Generell sollte man bei allen verbauten Materialien wenn möglich auf schadstoffarme regionale, sowie nachwachsende und rezyklierbare Materialien zurückgreifen.

Umsetzung auf Ebene der Industriepartner

Auch die Industrie hat sich zum Ziel gesetzt, die Zahnmedizin nachhaltiger zu gestalten: Hierfür hat die World Dental Federation (FDI) mit den Industriepartnern Colgate, Dentsply Sirona, GSK Consumer Healthcare und TePe eine Initiative lanciert. Gemeinsam erarbeiten die Partner den „FDI Sustainability Code of Practice“, einen Verhaltenskodex, welcher Richtlinien und Ziele für die Umsetzung nachhaltiger Verfahren bezüglich Beschaffung und Zulieferung festlegt und sowohl auf Gesundheitsdienstleister als auch Patienten und Lieferketten abzielt. Denn: Besonders auf Ebene der Zulieferer könnten CO2-Emissionen, Plastik und Abfall noch erheblich reduziert werden.  

Ziel der Initiative ist, nach und nach alle Industriepartner von einer nachhaltigeren Zahnmedizin und somit von einer nachhaltigeren Zukunft zu überzeugen.