Rückblick des Zentralvorstandes

Die SSO hat standespolitisch Akzente gesetzt. Drei Schwerpunkte prägten das Verbandsjahr: Impulse für die künftige Verbandsarbeit, weniger Bürokratie in Zahnarztpraxen und praxistaugliche Standards. Parallel dazu baute die SSO Projekte der sozialen Zahnmedizin aus. Christoph Senn, Leiter Departement Gesundheit und Soziales im Zentralvorstand SSO, ordnet in seiner Videobotschaft ein, wo die SSO Verantwortung übernahm.

Was uns 2025 bewegt hat

SSO Impulse

Lehrberufe Live!

Politische Aktion

SSO und die Behörden

Der Zentralvorstand der SSO tauscht sich regelmässig mit den Behörden aus. Denn als Berufsverband von Praktikern bringt die SSO eine Perspektive ein, die Behörden und Verwaltung fehlt. 2025 stand das europäische Internal Market Information System (IMI) im Fokus. Es erfasst Berufsverbote von Zahnärztinnen und Zahnärzten, die in allen EU-Staaten veröffentlicht werden. Die Schweiz hat keinen Zugriff auf dieses System. Deshalb können Zahnärzte, die im EU-Gebiet sanktioniert wurden, in der Schweiz eine Bewilligung erhalten. Die SSO wies bei einem Treffen mit Vertretern des Bundesamts für Gesundheit auf diese Sicherheitslücke hin und forderte den Bundesrat zum Handeln auf. Weiter kritisierte die SSO die unzureichende Prüfung von Zahnmedizin-Diplomen aus Nicht-EU-Staaten und investorenfinanzierte Dentalketten, die teilweise gesetzliche Berufspflichten umgehen. Der gemeinsame Nenner dieser Themen: Sie gefährden die Behandlungsqualität und die Sicherheit der Patienten. Die SSO sieht es als ihre Pflicht an, dies den Behörden aufzuzeigen. Dank ihrer bilateralen Kontakte konnte die SSO eine Zahnärztin überführen, die trotz gefälschtem ausländischem Diplom kantonale Berufsausübungsbewilligungen erhielt und in der Schweiz arbeitete. Auf Intervention der SSO entzogen die kantonalen Behörden der fehlbaren Zahnärztin die Berufserlaubnis. Bund und Kantonen bietet die SSO aktiv ihre Mitarbeit an, um Prüf- und Bewilligungsverfahren gemeinsam zu stärken.

Leistungspakete Plus (LP+)

Mit dem Jahreswechsel stellte die Abrechnung im Bereich UV/MV um: weg von Einzelleistungen, hin zu Leistungspaketen Plus. Das bedeutet: Für gewisse Behandlungsschritte werden einzelne Tarifziffern zusammengefasst. Diese Leistungspakete können – mit schriftlicher Begründung – mit Einzelleistungen ergänzt werden (deshalb «Plus») Diese Leistungspakete gelten ausschliesslich für die Abrechnung mit den eidgenössischen Sozialversicherern UV und MV – nicht jedoch für die IV. Die SSO und die Wirtschaftliche Kommission (WiKo) begleiteten die Mitglieder durch die Einführungsphase eng. Sie boten Webinare an, realisierte Erklärvideos, stellte FAQs zusammen und informierte laufend über eigene Tarif-Newsletter. Fragen aus den Praxen beantworteten die Verantwortlichen zeitnah, oft im direkten Austausch. Mit der Umstellung auf die Leistungspakete Plus sollte eigentlich auch die Übermittlung von Rechnungen und Kostenvoranschlägen inkl. Dokumentation vollständig elektronisch erfolgen. Die rein digitale Dokumentenübermittlung verzögerte sich jedoch, da viele Versicherer technisch noch nicht bereit waren. Die Frist wurde deshalb bis Ende 2025 verlängert.

Präsidentenkonferenz 2025

Die diesjährige Präsidentenkonferenz tagte auf dem aussichtsreichen Uetliberg im Kanton Zürich. Rund 60 Vertreterinnen und Vertreter der SSO-Sektionen und -Kommissionen, der Fachgesellschaften sowie des Zentralvorstands der SSO nahmen an der Veranstaltung teil. Sie nutzten die Gelegenheit, um sich auszutauschen, Projekte und laufende Arbeiten vorzustellen und Rückmeldungen entgegenzunehmen. Das vielfältige Programm zeigte: Die SSO ist breit aufgestellt und realisiert neue Projekte. Schritt für Schritt wird das Markenversprechen «Gemeinsam weiterkommen» umgesetzt; beispielsweise mit neuen Veranstaltungen im Jahresprogramm, die sich sehr bewährt haben. Als Gastreferent sprach der abtretende Korpskommandant Thomas Süssli, Chef der Schweizer Armee (CdA). Er ordnete die geopolitische Grosswetterlage ein. Sein Fazit: Die politische und wirtschaftliche Stabilität, die den Zahnärztinnen und Zahnärzten eine freie Berufsausübung erlaubt, ist nicht selbstverständlich.

SSO Campus

Eine Mitgliedschaft bei der SSO ist keine Selbstverständlichkeit. Damit junge Kolleginnen und Kollegen dem Berufsverband beitreten, müssen sie die SSO erleben. Dazu dient der Fortbildungsevent SSO Campus. Die Veranstaltung ist ein Fixpunkt für den vertieften Austausch und die Vernetzung, insbesondere für angehende und junge Zahnärztinnen und Zahnärzte. Über 60 Teilnehmende nahmen an der fünften Ausgabe des Events im Spätsommer 2025 teil. Julia Amato, Zahnärztin mit eigener Praxis, machte ihnen Mut und zeigte, dass zahnärztliche Karrieren auch Umwege vertragen. Heike Heckelmann, HSG-Dozentin, erklärte, wie wirksame Kommunikation in der Praxis gelingt. SSO Campus ist auch ein Seismograf: Er macht sichtbar, welche Unterstützung sich junge Zahnmediziner wünschen – etwa Orientierung für den Berufseinstieg, zunehmend aber auch Hilfe in der Unternehmerrolle und im Praxismanagement. SSO Campus liefert Grundlagen, Angebote und Rahmenbedingungen, um die nächste Generation von Zahnärztinnen und Zahnärzten zu stärken.

Soziale Zahnmedizin

5 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung über 16 Jahren verzichtet in der Schweiz aus finanziellen Gründen auf nötige Zahnbehandlungen. Für die Betroffenen – oft armutsgefährdete Menschen – will die SSO den Zugang zu zahnmedizinischen Leistungen verbessern. Ein wichtiger Schritt dazu war eine gemeinsame Absichtserklärung (Letter of Intent) von SSO, der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (SKOS) und der Vereinigung der Kantonszahnärztinnen und Zahnärzte der Schweiz (VKZS). Das Dokument ist mehr als ein Symbol: Die Absichtserklärung schärft das Bewusstsein bei kantonalen und kommunalen Behörden. Um die Sektionen bei dieser wichtigen Aufgabe zu unterstützen, erstellte die SSO einen Leitfaden mit konkreten Vorschlägen, wie sich der Zugang zur zahnmedizinischen Versorgung vor Ort verbessern lässt. Der Leitfaden ist Teil der schweizweiten Kampagne der SSO «Mundgesundheit für alle». Als Vorbild dient das im Berichtsjahr gestartete Programm im Kanton Wallis: Haushalte, die Prämienverbilligungen erhalten, bekommen Gutscheine von bis zu 500 Franken pro Jahr für Zahnbehandlungen. Dieses Modell stösst über die Kantonsgrenzen hinaus auf Interesse. Neben dem institutionellen Weg stärkt die SSO bewusst auch den informellen: Sie sucht den Austausch mit Hilfswerken – und konnte mit der Winterhilfe Schweiz eine wichtige Partnerin gewinnen.

Wie ticken die Jungen?

Die SSO fühlt den Puls der Jungen. Im Berichtsjahr wurden junge und angehende Kolleginnen und Kollegen zu Karriereplänen, Berufswünschen und Erwartungen an den Verband befragt. Die Resultate wurden am Event SSO Campus präsentiert und mit spontanen Umfragen im Saal ergänzt. Erfreulich für die SSO: Für viele Befragte ist die Aussicht auf Selbstständigkeit eine zentrale Studienmotivation. Gleichzeitig verschiebt sich das Wunschbild der Praxis: Die klassische Einzelpraxis verliert an Strahlkraft. Zwei von drei angehenden Zahnmedizinern sehen ihre berufliche Zukunft in einer Gemeinschaftspraxis, nur knapp ein Drittel möchte später in einer Einzelpraxis praktizieren. Aus den Antworten lassen sich klare Aufträge an die SSO ableiten. Gewünscht werden Orientierung und konkrete Hilfestellungen für den Schritt in die Selbstständigkeit – sei es zur Praxisgründung und passenden Unternehmensformen, zu Rechts- und Vertragsfragen oder zu Praxismanagement sowie Personalführung. Daneben nennen die Befragten Themen, die den Berufsalltag zunehmend mitprägen: Nachhaltigkeit, Stressbewältigung sowie Resilienz.

Mitglied sein lohnt sich

Der Anschluss an die SSO bietet einen Mehrwert – inner- und ausserhalb der Praxis. Im Berufsalltag sind es vor allem die eigenen Services, die unmittelbar entlasten: Musterverträge, Checklisten oder vorgefertigte Konzepte wie etwa im Strahlenschutz. SSO Newsletter und das Fachmagazin SWISS DENTAL JOURNAL SSO sorgen für regelmässige Orientierung. Bei eigenen Fortbildungsveranstaltungen wie dem SSO Kongress oder den SSO Kursen profitieren Mitglieder von erheblichen Kostenvorteilen. Und dank der eigenen AHV-Ausgleichskasse medisuisse bezahlen Verbandsmitglieder vergleichsweise tiefe Beiträge. Auch ausserhalb der Praxis zahlt sich die Mitgliedschaft aus– dank Sonderkonditionen bei ausgewählten Partnern. Von Vorsorgelösungen über Praxisbedarf bis Mobilität. Sieben Autohersteller gewähren attraktive Flottenrabatte auf ihren Neuwagen. 2025 wurde das Angebot gezielt ausgebaut: So ist die SSO eine Kooperation mit Thömus Bikes eingegangen: Dadurch profitieren SSO-Mitglieder von namhaften Preisvorteilen auf erstklassige E-Bikes.

Delegiertenversammlung

Im Mai trafen sich rund 70 Delegierte der SSO zur jährlichen Versammlung in Bern. Die Diskussionen und Debatten verliefen konstruktiv. Die Delegierten bestätigten den gesamten Zentralvorstand im Amt und stimmten Jahresrechnung sowie Budget ohne Einwände zu. Inhaltlich setzten die Delegierten ein wichtiges Zeichen für die Nachwuchs- und Fachkräfteförderung: Sie genehmigten grossmehrheitlich eine Anpassung des Weiterbildungsreglements für Prophylaxe-Assistentinnen SSO. Wer sich zur PA weiterbildet, konnte bisher sein Praktikum nur in Praxen oder Kliniken absolvieren, die von SSO-Zahnärztinnen und -Zahnärzten geführt werden. Neu können auch Nicht-SSO-Zahnarztpraxen Praktika anbieten – sofern sie die Voraussetzungen erfüllen und sich per kostenpflichtiger Selbstdeklaration zu gewissen Standards verpflichten. Die SSO ist finanziell solide aufgestellt – und wächst weiter: In allen Kategorien konnten Mitglieder gewonnen werden. Das stärkt den Organisationsgrad. Erfreulich: Unter den Neueintritten sind 71 Studierende. Der Zuwachs beweist: Die SSO findet auch bei den Jungen Anklang.

SSO Kongress 2025

Zurück im Tessin: Nach vielen Jahren fand der SSO Kongress 2025 wieder einmal in der italienischsprachigen Schweiz statt – in Lugano. Drei Tage lang boten 30 Fachvorträge ein breit gefächertes Programm. Der Leitgedanke lautete «Risiken in der zahnärztlichen Praxis» – von medizinischen und organisatorischen Stolpersteinen bis zu den Grenzen der Belastbarkeit im Praxisalltag. Moderne Praxissoftware und künstliche Intelligenz wurden als Entwicklungen mit Potenzial, aber auch mit neuen Risiken eingeordnet. Sehr praxisnah wurde es dort, wo Risiken plötzlich akut werden: Fragen der Gerinnung und eine verantwortungsbewusste Medikation wurden ebenso thematisiert wie allgemeinmedizinische Notfälle. Der Hinweis auf den Emergency Support Service der SSO unterstrich, dass gutes Risiko-Management auch klare Abläufe und Unterstützung im Ernstfall braucht. Dass «Risiko» nicht nur klinisch zu verstehen ist, machte der Blick auf Stress, Burnout und Resilienz deutlich: Bürokratie, Administration, Personalprobleme, aber auch Erwartungen der Patienten und nicht zuletzt der eigene Wunsch nach besserer Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben – all das wurde ebenso thematisiert wie konkrete Ansätze zum Umgang damit. Der Samstagvormittag gehörte erneut den Kurzvorträgen, die den letzten drei Jahren sehr positives Feedback erhalten hatte.