Zahnärztin, Zahnarzt

Die zahnärztliche Tätigkeit erstreckt sich auf verschiedenste Bereiche, die sowohl unabhängig voneinander als auch übergreifend zur Anwendung kommen. Eine Systematisierung (Thematisierung) der unterschiedlichen Arbeitsgebiete ist daher schwierig. Sie kann wie folgt vorgenommen werden:

  • Voraussetzungen für Prophylaxe und Therapie, Anamnese, Befunderhebung, Diagnose, Prognose
  • Präventive Betreuung, Prophylaxe, Erhaltungstherapie (Recall)
  • Parodontologie
  • Kariologie
  • Endodontologie
  • Kinderzahnmedizin/Traumatologie
  • Kieferorthopädie
  • Prothetik (Zahnersatz), fix, abnehmbar
  • Ästhetische Zahnmedizin
  • Gerodontologie
  • Zahnärztliche Chirurgie, Oralchirurgie, Implantologie, Oralpathologie
  • Zahnärztliche Tätigkeiten ausserhalb der Praxis/soziale Dienste

Der Bachelor-Studiengang in Zahnmedizin vermittelt die theoretischen Grundlagen in Anatomie und Physiologie des gesamten menschlichen Organismus und erlaubt dadurch, die pathophysiologischen Mechanismen orofazialer Krankheitsbilder auch in ihren fächerübergreifenden Zusammenhängen zu erkennen und zu begreifen. Durch die praktischen Kurse am Phantom ist die Evaluation der notwendigen manuellen Fähigkeiten, welche für die zahnärztliche Tätigkeit vorausgesetzt werden, möglich.

Das Bachelor-Studium der Zahnmedizin bereitet nicht auf die Berufstätigkeit als Zahnarzt, Zahnärztin vor, sondern vermittelt die grundlegenden theoretischen Kenntnisse und die manuellen Fertigkeiten für den prüfungsfreien Übertritt in das Master-Studium der Zahnmedizin.

Im Master-Studiengang wird das Gewicht des theoretischen Unterrichts zugunsten der praktischen Kurse verschoben. Die Ausbildung der manuellen Fertigkeiten erweitert sich auf die rekonstruktiven Fächer sowie die Kinder- und Alterszahnmedizin und die Orale Chirurgie. Der synoptische Aufbau der klinischen Kurse schult die fächerübergreifende Planung und Behandlung komplexer Fälle. Durch die Organisation der Kurse, bei der die Studierenden gemeinsam die Verantwortung für die Behandlung der Patienten tragen, werden die soziale Kompetenz und die Fähigkeit zur Teamarbeit gefördert.

In Kursen im zahntechnischen Labor werden das grundlegende Verständnis für die Zahntechnik vermittelt und jene Handfertigkeiten gelehrt, die in der zahnärztlichen Praxis zur Anwendung kommen bzw. für die Kommunikation mit dem Zahntechniker nötig sind.

Zahnärztinnen und Zahnärzte können sich nach Abschluss ihres Studiums in verschiedenen Bereichen der Zahnmedizin weiterbilden und spezialisieren. In vier eidgenössisch anerkannten Weiterbildungsprogrammen können sie eine Fachzahnarzttitel in Oralchirurgie, Kieferorthopädie, Parodontologie oder rekonstruktiver Zahnmedizin erlangen. Daneben vergibt die SSO auch eigene Weiterbildungsausweise in den Bereichen Allgemeine Zahnmedizin, Endodontologie, orale Implantologie, Kinderzahnmedizin sowie in Präventiver und Restaurativer Zahnmedizin.

Der Fachzahnarzt für Oralchirurgie ist unter anderem in den Bereichen Zahnimplantate, operative Zahnentfernung (z.B. Weisheitszähne), Mundschleimhaut-Erkrankungen, zahnärztliche Notfälle, akute Infektionen, Unfälle sowie Behandlung von Zysten oder Tumoren tätig.

Weiterbildungsprogramm
Die Weiterbildung in Oralchirurgie dauert mindestens drei Jahre und kann an den oralchirurgischen Universitätskliniken oder im Kantonsspital Luzern absolviert werden. Für die Erlangung des Fachzahnarzttitels müssen zwei Forschungsbeiträge (Erstautor) publiziert und eine Dokumentation zur oralchirurgischen Behandlung von zehn Patienten erstellt werden. Diese Dokumentation enthält unter anderem Operationsberichte, Bildmaterial, Röntgenbilder und Modelle.

Weitere Informationen bietet die Schweizerische Gesellschaft für Oralchirurgie und Stomatologie.

Ein Fachzahnarzt für Kieferorthopädie befasst sich mit der Korrektur von Zahn- und Kieferfehlstellungen. Ziel der Behandlung ist es, eine harmonische Zahn- und Kieferstellung zu erreichen. Zahn- und Kieferkorrekturen verbessern die Ästhetik und verhelfen zu einem gut funktionierenden Kauorgan. Eine gute Zahnstellung ermöglicht eine bessere Mundhygiene – so können Zahnschäden vermieden werden.

Weiterbildungsprogramm
Bevor sich ein Zahnarzt als Kieferorthopäde spezialisieren kann, muss er Arbeitserfahrung auf einem anderen Gebiet der Zahnmedizin vorweisen können (mehrheitlich als Allgemeinzahnarzt). Die Weiterbildung zum Kieferorthopäden dauert mindestens drei Jahre und kann an einer der vier zahnmedizinischen Universitätszentren der Schweiz absolviert werden. Die Ausbildung und Fachprüfung beinhalten praktische und theoretische Arbeiten. Zuständig für diesen Weiterbildungsgang ist die Schweizerische Gesellschaft für Kieferorthopädie.

Die Parodontologie befasst sich mit den Erkrankungen des Zahnhalteapparates (Parodont). Ein Parodontologe diagnostiziert und therapiert Krankheiten, die mit dem Zahnfleisch und dem Zahnhalteapparat (Parodont) zusammenhängen.

Weiterbildungsprogramm
Die Weiterbildung zum Fachzahnarzt für Parodontologie dauert mindestens drei Jahre und wird an einer Universitätsklinik absolviert. Die Hälfte der Ausbildungszeit besteht aus der Behandlung von Patienten, die andere Hälfte aus Seminarien, Tutorien, Fallpräsentationen sowie Forschung und Lehre. Daneben muss ein Kandidat zwei wissenschaftliche Publikationen verfassen und die durchgeführten Operationen dokumentieren.

Mehr Informationen finden Sie bei der Schweizerischen Gesellschaft für Parodontologie.

Ist viel Zahnsubstanz zerstört und die Behandlung komplex, fällt dies in den Fachbereich der rekonstruktiven Zahnmedizin. Mit Kronen, Brücken, Teil- und Vollprothesen ersetzen die rekonstruktiv tätigen Fachzahnärzte Zähne und Zahnreihen ganz oder teilweise. Dank neuen Materialien und Techniken ist es den Experten heute möglich, die künstlichen Zähne völlig natürlich zu gestalten. Zum Fachgebiet gehören auch die Diagnostik und Therapie der Kaufunktionsstörungen.

Weiterbildungsprogramm
Nach mindestens drei Jahren strukturierter Weiterbildung in einer akkreditierten Universitätsklinik ist es möglich, den Fachzahnarzttitel für rekonstruktive Zahnmedizin zu erwerben. Während dieser Zeit besuchen sie Seminarien, Tutorien sowie Fallpräsentationen und betreiben eigene Forschung. In 50% der Ausbildungszeit werden Patienten behandelt.

Weitere Informationen: Schweizerische Gesellschaft für rekonstruktive Zahnmedizin.

Zahnärztinnen und Zahnärzte mit einem SSO-Weiterbildungsausweis in Allgemeiner Zahnmedizin beherrschen ein breites Spektrum der Zahnmedizin. Sie können die häufigsten zahnmedizinischen Erkrankungen, Verletzungen und Notfälle auf hohem Niveau selbstständig versorgen.

Weiterbildungsprogramm
Seit 2007 bietet die SSO ihren Mitgliedern den Weiterbildungsausweis „Allgemeine Zahnmedizin SSO“ an. Voraussetzung für die erstmalige Zertifizierung ist eine Weiterbildungsphase von mindestens drei Jahren oder eine Falldokumentation über zehn selbstständig behandelte Fälle mit unterschiedlichen therapeutischen Schwerpunkten. Der Weiterbildungsausweis in Allgemeiner Zahnmedizin muss durch Nachweis breitgefächerte Fortbildung alle sieben Jahre erneuert werden.

Zahnärztinnen und Zahnärzte mit einem SSO-Weiterbildungsausweis in Endodontologie sind spezialisiert auf Erkrankungen des Zahninnern (Pulpa) und auf Wurzelbehandlungstechniken. Ein Endodontologe behandelt Verletzungen der Pulpa nach Unfällen oder Entzündungen, die aufgrund des Eindringens von Bakterien ins Zahninnere (Pulpa) entstehen. Die häufigste Behandlung in der Endodontologie ist die Wurzelkanalbehandlung.

Weiterbildungsprogramm
Wer einen Weiterbildungsausweis in Endodontologie erlangen will, muss nach der zahnärztlichen Grundausbildung während mindestens drei Jahren eine Weiterbildung absolvieren. Das Weiterbildungsprogramm für Endodontologie kann an den Universitäten Basel, Bern, Genf und Zürich absolviert werden. Die Ausbildung umfasst eine vertiefte Beschäftigung mit theoretischen und praktischen Problemstellungen der Endodontologie und verwandter Fächer. Die Richtlinien für den Weiterbildungsausweis Endotontologie erlässt die Schweizerische Gesellschaft für Endodontologie.

Zahnärztinnen und Zahnärzte mit einem Weiterbildungsausweis in oraler Implantologie weisen die Kompetenz aus, von der Planung über das Setzen und dem prothetischen Versorgen von Implantaten bis zur Nachsorge, inklusive der Beherrschung von Früh- und Spätkomplikationen, interessierte Patientinnen und Patienten durch die ganze Behandlung hindurch in verantwortlicher Art und Weise nach aktuellem „State of the Art“ zu beraten und zu behandeln. Bei einer Aufteilung der zahnärztlichen Versorgung auf verschiedene Behandler wird die Behandlungsplanung vorgängig im Team besprochen und das Behandlungsprotokoll dem jeweiligen Fall angepasst.
 
Zahnärztinnen und Zahnärzte können über zwei verschiedene Wege diesen Weiterbildungsausweis erlangen: Über eine universitäre postgraduate-Ausbildung und über das SGI-Curriculum für orale Implantologie. Zuständig für das entsprechende Reglement mit den Bedingungen für die Zulassung an die WBA-Prüfung ist die Schweizerische Gesellschaft für orale Implantologie SGI, auf derer Website alles über den WBA in oraler Implantologie und dem SGI-Curriculum in Erfahrung gebracht werden kann. Siehe sgi-ssio.ch .

Eine Kinderzahnärztin oder ein Kinderzahnarzt bietet Kindern und Jugendlichen vom Säuglingsalter bis zum Übergang ins Erwachsenenalter eine angemessene zahnmedizinische Betreuung. Neben zahnärztlichem Fachwissen benötigt ein Kinderzahnmediziner auch psychologische, pädagogische und soziale Fähigkeiten. Kinderzahnärztinnen und –zahnärzte sorgen dafür, dass Kinder und Jugendliche den Zahnarztbesuch möglichst angenehm und angstfrei erleben.

Weiterbildungsprogramm

Das dreijährige Weiterbildungsprogramm wird von der Schweizerischen Vereinigung für Kinderzahnmedizin SVK definiert. Die SVK anerkennt Programmleiter, bei denen die Ausbildung absolviert werden kann. Die Kandidatinnen und Kandidaten besuchen Vorlesungen zum Fachgebiet und sammeln klinische Erfahrungen. Sie beschäftigen sich besonders mit Faktoren, welche Entwicklung, Verhalten und Bedürfnisse des Heranwachsenden beeinflussen.

Zahnärztinnen oder Zahnärzte mit einem SSO-Weiterbildungsausweis in Präventiver und Restaurativer Zahnmedizin beugen einer Erkrankung von Zähnen und Zahnfleisch vor und stellen geschädigte Zähne wieder her. Sie verfügen über ein umfassendes Wissen und hervorragende klinische Fähigkeiten auf den Gebieten der Kariologie sowie der präventiven und restaurativen Zahnmedizin.

Weiterbildungsprogramm
Voraussetzung für das Weiterbildungsprogramm ist ein Studienabschluss in Zahnmedizin sowie ein Jahr Arbeitserfahrung in allgemeinpraktischer Zahnmedizin. Die Weiterbildung in Präventiver und restaurativer Zahnmedizin dauert drei Jahre und muss an Ausbildungsstätten absolviert werden, die von der Schweizerischen Vereinigung für Präventive, Restaurative und Ästhetische Zahnmedizin anerkannt sind. In der Weiterbildungszeit werden zwei wissenschaftliche Publikationen (Erstautor) und 16 Falldokumentationen nach bestimmten Kriterien verlangt.

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