Transparenz beim Zahnarzt

Seit 1976 besteht ein betriebswirtschaftlich kalkulierter Zahnarzttarif. Eine erste Revision fand 1994 statt. Nach über 20 Jahren wurde der Tarif erneut revidiert und trat am 1. Januar 2018 in Kraft. Dieser Tarif wurde von den eidgenössischen Sozialversicherungen UV/MV/IV (Versicherer gemäss Bundesgesetz über die Unfallversicherung, Militärversicherung, Invalidenversicherung) einerseits und der Schweizerischen Zahnärzte-Gesellschaft SSO anderseits erarbeitet.

Bei dieser zweiten Revision wurden die 1994 bei den rund 500 Einzelleistungen des Tarifs durchgeführten Zeit- und Häufigkeitsmessungen übernommen. Der Leistungskatalog wurde überarbeitet und wird der heute praktizierten Zahnmedizin gerecht. Der alte "SUVA-Tarif" basierte auf einer Kostenberechnung von 1992 bei einem Taxpunktwert von CHF 3.10, welcher seither nie der Teuerung angepasst worden ist. Nebst der Teuerungsangleichung wurden die Unkosten einer Zahnarztpraxis aktualisiert berechnet. Diese setzen sich vor allem aus den Investitions-, Personal-, Material- und Betriebskosten zusammen. Als drittes Element in der Berechnung ist ein Vergleichseinkommen für den Zahnarzt einzusetzen. Dieses entspricht dem Lohn eines beamteten Zahnarztes, z.B. eines Leiters einer mittleren Schulzahnklinik.

Der alte «SUVA-Tarif» wurde per 31.12.2017 ausser Kraft gesetzt und hat keine Gültigkeit mehr. Ab dem 01.01.2018 ist nur noch der «Zahnarzttarif UV/MV/IV» zu einem Taxpunktwert von CHF 1.00 (Sozialversicherungstarif) zusammen mit dem «Zahntechnikertarif UV/MV/IV» (ebenfalls zu einem Taxpunktwert CHF 1.00) anwendbar.

Die Tarifstruktur des neu revidierten «Zahnarzttarif UV/MV/IV» wurde - wie bereits bei der Revision 1994 - für den Privatpatiententarif übernommen. Der Tarif für Privatpatienten heisst jetzt DENTOTAR®.

Für die Leistungsabrechnung mit den Krankenkassen im Bereich der obligatorischen Krankenpflegversicherung (OKP) ist immer noch der Zahnarzttarif von 1994 gültig (alter Leistungskatalog, Taxpunktwert CHF 3.10 sowie der alte Zahntechnikertarif mit altem Taxpunktwert von CHF 5.55.

Im zahnärztlichen Stundenansatz sind die Löhne des Praxisteams, die Raumkosten, die Abschreibungen und jene Materialien berücksichtigt, die dem Patienten nicht direkt verrechnet werden.

Von der gesamten Arbeitszeit des Zahnarztes werden zudem nur etwa 80 % als direkte Arbeitszeit am Patienten abgerechnet. Die verbleibenden 20% gelten als unproduktive Arbeitszeit, welche der Zahnarzt für die administrativen Arbeiten aufwenden muss.

Jeder der über 500 Leistungen des Tarifs ist eine Anzahl Taxpunkte zugeordnet. Diese Taxpunktzahl widerspiegelt in etwa den Zeitaufwand, der für diese Leistung im Durchschnitt benötigt wird. Damit der Patient genau nachvollziehen kann, welche Behandlung bei ihm durchgeführt worden ist, werden die Leistungen einzeln auf der Rechnung aufgeführt.

Um zu einem Frankenbetrag zu kommen, wird die Anzahl Taxpunkte mit einem Taxpunktwert multipliziert. Für die Sozialversicherungen beträgt dieser Taxpunktwert CHF 1.00. Für Privatpatienten kann er variabel sein, und zwar nach unten beliebig, nach oben aber bis höchstens CHF 1.70. Das System von Taxpunktzahl und Taxpunktwert ist im Bereich der medizinischen Leistungen die Regel und für Versicherungsfälle gesetzlich vorgeschrieben.

Der für Privatpatienten gültige Taxpunktwert ist in der Praxis des Zahnarztes angeschrieben und auf der Rechnung vermerkt. Der Leistungskatalog kann in einer Kurzfassung auf www.sso.ch (sog. Kurztexttarif) oder in der ausführlichen Originalfassung auf www.mtk-ctm.ch eingesehen werden.

Berechnung einer Tarifposition

Taxpunktzahl (TPZ) x Taxpunktwert (TPW) = Kosten der Leistung XY

Beispiel für die Befundaufnahme beim Recall-Patienten (Ziffer 4.0010):

48.8 (TPZ) x CHF 1.00 (TPW) = CHF 48.80 (Kosten der Leistung)

Für weitaus die meisten Patienten stellt sich diese Frage nicht, denn sie haben seit Jahr und Tag «ihren» Hauszahnarzt. Wer aber den Zahnarzt wechseln will oder wechseln muss, wird sich die Frage nach dem Preis stellen. Auf Kosten der Qualität wird man nicht sparen wollen, denn das kann sehr teuer werden. Also wird man sich auf die Empfehlung von Verwandten oder Bekannten verlassen. Wo dies nicht möglich ist, kann man sich in zwei oder drei Praxen Behandlungsvorschläge erstellen lassen. Für ein gegebenes Problem gibt es nämlich meistens nicht nur eine Lösung, sondern deren mehrere. Diese Varianten sind für den Preis sehr viel bedeutender als die Unterschiede im Taxpunktwert.

In der Schweiz ist (fast) alles teurer als anderswo: die Lebensmittel, die Mieten, die Handwerker, die Autos, die mobilen Telefon- und Internetdienstleistungen, usw. Aber auch die Löhne sind höher als anderswo. Teurer sind wohl auch die Zahnärzte, denn sie müssen die hohen Mieten, die teuren Materialien und nicht zuletzt die hohen schweizerischen Personalkosten bezahlen. Zudem müssen die Zahnärzte immer mehr behördlich angeordnete Administrativaufgaben sowie Auflagen erfüllen (z. B. Hygienevorschriften, Strahlenschutzvorgaben, behördliche Kontrollen, Datenschutzauflagen, Aufbewahrungspflicht, usw.).

Die zahnärztliche Behandlung ist im Ausland häufig billiger. Die Deutschen geben aber pro Kopf und Jahr gleich viel für den Zahnarzt aus wie die Schweizer (deren Kosten in den letzten Jahren ziemlich konstant geblieben sind). Behandlungen in osteuropäischen Ländern sind oft sehr risikoreich, weil unter anderem umfangreiche Therapien in kürzester Zeit ausgeführt werden müssen. Zudem kann eine optimale Nachsorge oft nicht gewährleistet werden, was zu zusätzlichen Komplikationen führen kann. Dadurch ist ein langfristiger Erfolg der Behandlung gemäss einer Studie der Universität Bern gefährdet.

Zahnärztliche Behandlungen sind komplex und ganz auf den einzelnen Patienten zugeschnitten. Es gibt keine zahnärztliche Leistung «von der Stange». Der Patient hat Anspruch auf eine optimale, auf ihn abgestimmte Behandlung, deren Resultat sich dann auch über lange Zeit bewähren kann.

Das ist auch der Grund dafür, dass man den Preis für eine benötigte Leistung nicht einfach von einer Liste oder einem Wartezimmerplakat ablesen kann. «Hingehen und fragen» heisst die Lösung, wenn man eine zuverlässige Kostenschätzung will, genau so, wie man das bei einem Handwerker auch tun würde. Und wenn etwas nicht klar ist? Dann redet man mit dem Zahnarzt, genau so, wie man es mit dem Arzt, dem Vermieter oder dem Automechaniker auch tun würde.

 

Wer seine Zähne putzt, braucht selten eine Behandlung. Die Schweizer Zahnmedizin hat die besten Prophylaxeerfolge der ganzen Welt.

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