Transparenz beim Zahnarzt

Seit 1976 besteht ein betriebswirtschaftlich kalkulierter Zahnarzttarif. 1994 ist die letzte Revision in Kraft getreten. Der Tarif wurde berechnet von den Sozialversicherungspartnern (Unfallversicherung SUVA, Invalidenversicherung, Militärversicherung, Krankenkassen) einerseits und der Schweizerischen Zahnärzte-Gesellschaft anderseits.

Zu diesem Zweck wurden bei den rund 500 Einzelleistungen des Tarifs Zeit- und Häufigkeitsmessungen durchgeführt. Im Weiteren wurden die Unkosten einer Zahnarztpraxis erhoben. Diese setzen sich vor allem aus Löhnen des Praxispersonals, Mieten, Material und Kapitalkosten zusammen. Als drittes Element in der Berechnung ist ein Lohn für den Zahnarzt einzusetzen; dieser entspricht demjenigen eines beamteten Zahnarztes, z.B. des Leiters einer mittleren Schulzahnklinik.

Im zahnärztlichen Stundenansatz sind die Löhne des Praxisteams, Miete, Abschreibungen und jene Materialien berücksichtigt, die dem Patienten nicht direkt verrechnet werden.
Von der gesamten Arbeitszeit des Zahnarztes werden zudem nur etwa 70% als direkte Arbeitszeit am Patienten abgerechnet. Der 1994 eingeführte Sozialversicherungstarif geht von einem Stundenansatz von 400 Franken aus – er wurde vom damaligen Preisüberwacher als fair beurteilt. Unter Berücksichtigung der bis heute aufgelaufenen Teuerung von gut 20% ergibt sich ein gerechtfertigter Ansatz von 500 Franken pro Stunde.

Jeder der über 500 Leistungen des Tarifes ist eine Anzahl Taxpunkte zugeordnet. Diese Taxpunktzahl widerspiegelt in etwa den Zeitaufwand, der für diese Leistung im Durchschnitt benötigt wird. Dadurch, dass die Leistungen einzeln auf der Rechnung aufgeführt werden, kann der Patient genau nachvollziehen, was bei ihm gemacht worden ist.

Um zu einem Frankenbetrag zu kommen, wird die Anzahl Taxpunkte mit einem Taxpunktwert multipliziert. Für die Sozialversicherungen beträgt dieser Taxpunktwert Fr. 3.10; für Privatpatienten kann er variabel sein, und zwar nach unten beliebig, nach oben aber bis höchstens Fr. 5.80. Das System von Taxpunktzahl und Taxpunktwert ist im Bereich der medizinischen Leistungen üblich und für Versicherungsfälle gesetzlich vorgeschrieben.

Wer sich für die Tarifberechnung und für die einzelnen Tarifpositionen interessiert, findet diese unter Zahnarzt-Tarif. Den Tarif kann man zum Preis von Fr. 35.– auch bei der Zentralstelle für Medizinaltarife UVG in Luzern bestellen. Eine Kurzfassung kann kostenlos im SSO-Shop bestellt werden.

Für weitaus die meisten Patienten stellt sich diese Frage nicht, denn sie haben seit Jahr und Tag «ihren» Hauszahnarzt.
Wer aber den Zahnarzt wechseln will oder wechseln muss, wird sich die Frage nach dem Preis stellen. Auf Kosten der Qualität wird man nicht sparen wollen, denn das kann sehr teuer werden. Also wird man sich auf die Empfehlung von Verwandten oder Bekannten verlassen. Wo das nicht möglich ist, kann man sich in zwei oder drei Praxen Behandlungsvorschläge erstellen lassen. Für ein gegebenes Problem gibt es nämlich meist nicht nur eine Lösung, sondern deren mehrere. Diese Varianten sind für den Preis sehr viel bedeutender als die Unterschiede im Taxpunktwert.

In der Schweiz ist (fast) alles teurer als anderswo: das Brot und das Bier, die Mieten, die Handwerker, die Autos – dafür sind aber auch die Löhne höher als anderswo. Teurer sind wohl auch die Zahnärzte, denn sie müssen die hohen Mieten, die teuren Materialien und nicht zuletzt ihr Personal bezahlen – und natürlich möchten sie in etwa gleich viel verdienen wie ähnlich qualifizierte Berufsleute.

Die zahnärztliche Behandlung ist im benachbarten Ausland häufig billiger. Allerdings darf man nicht den Sozialversicherungs-, sondern man muss den Privattarif in Rechnung stellen, was die Preisvorteile schmelzen lässt. Auch sollte man auf den Gesamtaufwand achten: Die Deutschen geben pro Kopf und Jahr gleich viel für den Zahnarzt aus wie die Schweizer. Behandlungen in osteuropäischen Ländern sind risikoreich; das Problem liegt unter anderem darin, dass umfangreiche Therapien in kürzester Zeit ausgeführt werden müssen, was einen Erfolg auf längere Zeit ausschliesst, wie auch eine Untersuchung der Universität Bern gezeigt hat.

Zahnärztliche Behandlungen sind komplex und ganz auf den einzelnen Patienten zugeschnitten. Es gibt keine zahnärztliche Leistung «von der Stange». Der Patient hat Anspruch auf eine optimale, auf ihn abgestimmte Behandlung, deren Resultat sich dann auch über lange Zeit bewähren kann.

Das ist auch der Grund dafür, dass man den Preis für eine benötigte Leistung nicht einfach von einer Liste oder einem Wartezimmerplakat ablesen kann. «Hingehen und fragen» heisst die Lösung, wenn man eine zuverlässige Kostenschätzung will – genau so, wie man das bei einem Handwerker auch tun würde. Und wenn etwas nicht klar ist? Dann redet man mit dem Zahnarzt, genau so, wie man das mit dem Arzt, dem Drogisten oder dem Karosseriespengler auch tun würde.

Wer seine Zähne putzt, braucht selten eine Behandlung. Die Schweizer Zahnmedizin hat die besten Prophylaxeerfolge der ganzen Welt.

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