Füllungsmaterialien

Die verschiedenen Füllungsmaterialien im Bereich der Zahnerhaltung lassen sich in vier Kategorien einteilen.

Bezüglich Eigenschaften und Anwendungsmöglichkeiten bestehen zwischen diesen Füllungsmaterialien teilweise erhebliche Unterschiede. Eine exakte Diagnose und eine genaue Einschätzung der jeweiligen Vor- und Nachteile ist deshalb unentbehrlich. Klären Sie gemeinsam mit Ihrer Zahnärztin, Ihrem Zahnarzt SSO ab, welche Lösung für Sie am geeignetsten ist.

Was sind zahnärztliche Komposite?

Komposite sind im Wesentlichen ein Gemisch aus verschiedenen Kunstharzen (Akrylaten) und kleinen Füllkörpern aus Quarz, Gläsern und keramischen Werkstoffen mit Durchmessern von 2 nm (nm = Nanometer = Milliardstel Meter) bis 100 µm (µm = Mikrometer = Millionstel Meter), die 70 bis 85 Prozent des Gesamtgewichtes dieses Gemischs ausmachen.

Zahnärztliche Komposite sind das universelle Füllungsmaterial. Während Komposit-Füllungsmaterialien schon seit vielen Jahren im Frontzahnbereich erfolgreich eingesetzt wurden, lassen sie sich seit einigen Jahren auch im Seitenzahnbereich erfolgreich anwenden. Ermöglicht wurde dies durch eine konsequente Weiterentwicklung der Komposite selber, aber auch der für eine erfolgreiche Verarbeitung notwendigen Adhäsivsysteme (für den Klebeverbund verwendete Materialien = Dentinhaftvermittler), mit deren Hilfe Komposite mit den Zahnhartsubstanzen verklebt werden müssen. Aus diesem Grund wird die Füllungstherapie mit Kompositen auch als „adhäsive Füllungstherapie“ bezeichnet.

Wie werden Komposite im Zahn verarbeitet?

Komposite sind zunächst plastisch (weich), so dass sie mit geeigneten kleinen Instrumenten in Zahnkavitäten (Zahnhohlräume) eingebracht werden können. Erst danach werden sie mit Blaulicht ausgehärtet und bekommen zahnähnliche Eigenschaften. Komposite müssen mit der Zahnhartsubstanz verklebt werden, damit die Füllung nicht herausfällt, kein Randspalt zurückbleibt und der gefüllte Zahn eine hohe Festigkeit behält.

Die für den Haftverbund zwischen dem Komposit-Füllungsmaterial und der Zahnhartsubstanz zuständigen Adhäsivsysteme werden vor Einbringen des Komposits auf die Zahnhartsubstanzen aufgetragen. Es gibt hier verschiedene Systeme, die in der Handhabung etwas variieren. Gemeinsam ist allen Adhäsivsystemen, dass sie die hydrophile („wasserliebende“), wasserhaltige Zahnhartsubstanz (Dentin und Schmelz) mit dem hydrophoben („wasserfürchtenden“), wasserfreien Komposit verbinden.

Aufgrund der vielen für das Verkleben von Komposit mit der Zahnhartsubstanz notwendigen Schritte ist die Verarbeitung von Kompositfüllungen technisch und zeitlich aufwändig. Da Komposit und die Adhäsivsysteme während der Verarbeitung feuchtigkeitsempfindlich sind, sind zusätzliche Massnahmen zur Trockenlegung des Arbeitsfeldes erforderlich.

Welche Vorteile haben Komposite?

Der Vorteil des Gebrauchs von Kompositmaterialien für die Füllung von Zahnkavitäten gegenüber anderen Materialien (z.B. Amalgam oder Keramik) liegt darin, dass Komposit unabhängig von der Kavitätenform verarbeitbar ist. Dies heisst konkret, dass für die Verarbeitung von Kompositmaterialien praktisch keine gesunde Zahnhartsubstanz entfernt werden muss. Auch lassen sich mit Komposit kleinste Defekte füllen, ohne dass sie zusätzlich vergrössert werden müssen.

Während Kompositmaterialien früherer Generationen einen hohen Verschleiss bei Kaubelastung zeigten, spielt der Verschleiss bei modernen Kompositen (Nano-Hybrid-Komposite) keine grosse Rolle mehr.

Ein grosser Vorteil von Kompositmaterialien ist die erzielbare Ästhetik, die in vielen Fällen an die laborgefertigten keramischen Restaurationen heranreicht. Auch lassen sich mit Komposit ästhetische Zahnkorrekturen, wie zum Beispiel Zahnverbreiterungen, herstellen, ohne dass wertvolle gesunde Zahnhartsubstanz abgetragen werden muss.

Sollte eine Kompositfüllung nach einigen Jahren der Belastung im Mund einen lokalen Defekt aufweisen, kann dieser häufig lokal repariert werden, ohne dass die gesamte Restauration entfernt und neu angefertigt werden muss.

Welche Nachteile haben Komposite?

Einen Nachteil, den auch moderne Komposite noch aufweisen, stellt die Schrumpfung des Materials während der Aushärtung („Polymerisationsschrumpfung“) dar, die bei modernen Materialen noch zwischen 1–3 Prozenten ihres Volumens liegt. Daher werden Kompositmaterialien in der Regel in kleinen Portionen in die Zahnkavität eingebracht, die dann einzeln ausgehärtet werden. Hierdurch lassen sich die durch die Schrumpfung bedingten Spannungen im Material und am Füllungsrand minimieren.

Wie gegenüber allen Fremdmaterialien können auch gegenüber Bestandteilen von Kompositfüllungen allergische Kontaktreaktionen auftreten. Diese sind allerdings ähnlich selten zu beobachten wie Allergien gegenüber Goldlegierungen oder Amalgam.

Wahl des geeigneten Füllungsmaterials

Welches Füllungsmaterial und welche Restaurationsart die „beste“ ist, lässt sich jeweils nur für den betreffenden Einzelfall beantworten. Allgemein lässt sich aber sagen, dass Komposite insbesondere bei kleineren Defekten im Frontzahnbereich und Seitenzahnbereich heute das Mittel der Wahl sind. Bei mittelgrossen Defekten im Seitenzahnbereich kann auch Amalgam eine gute Alternative zu Komposit darstellen. Bei grossen Defekten im Seitenzahnbereich kann eine Versorgung mit adhäsiv befestigten keramischen Inlays, Overlays und eine Überkronung, im Frontzahnbereich eine Überkronung oder die Verwendung von Keramik-Verblendschalen (Veneers) eine langfristig sichere Alternative sein.

Fazit

Aufgrund der Fortschritte der letzten Jahre bieten sich Komposite für eine Vielzahl kleiner und mittelgrosser zahnärztlicher Restaurationen im Front- und Seitenzahnbereich an. Zu den Vorteilen der guten ästhetischen Eigenschaften kommt noch hinzu, dass für die Verarbeitung von Komposit kaum gesunde Zahnhartsubstanz entfernt werden muss und dass Kompositfüllungen sich auch noch nach Jahren reparieren lassen. Die Grenzen der erfolgreichen Verwendung von Komposit liegen dort, wo das Arbeitsfeld sich für die Verarbeitung von Adhäsiv und Komposit nicht zuverlässig trocken halten lässt und bei sehr ausgedehnten Defekten.

Verantwortlich für den Inhalt "Kunststoffe":

PD Dr. Wolfgang Buchalla, Leiter Kariologie, Universität Zürich, Zentrum für Zahnmedizin, Klinik für Präventivzahnmedizin, Parodontologie und Kariologie
www.dent.uzh.ch/ppk

Die dentale Keramik wird heute immer öfter zur Herstellung von ästhetischem Zahnersatz eingesetzt. Keramik ähnelt optisch der natürlichen Zahnsubstanz, da sie eine hohe Lichtdurchlässigkeit und eine zahnähnliche Farbe hat. Weitere Vorteile der Keramik sind die hohe Festigkeit im Vergleich zu Komposit und die gute biologische Verträglichkeit. Keramik ist chemisch inert (lat. "untätig, unbeteiligt, träge", reagiert also nicht bzw. kaum). Ihre heutigen Einsatzbereiche sind Einlagefüllungen (Inlays), Kuppelfüllungen (Onlays), Teilkronen, Frontzahnschalen bei Verfärbungen oder Formproblemen (Veneers), Kronen und Brücken.

Mit dem Ziel, hohe Ästhetik mit guter Langzeitstabilität zu verbinden, sind inzwischen verschiedene Arten von Keramiken für unterschiedliche Einsatzbereiche entwickelt worden. So werden Silikatkeramiken v.a. im Frontzahn- und Prämolarenbereich eingesetzt, Oxidkeramik wie z.B. Zirkonoxid im Prämolaren- und Molarengebiet. Vor allem die Entwicklung der Hochleistungskeramik Zirkonoxidkeramik ermöglicht heute vollkeramische Kronen und Brücken sogar für das Seitenzahngebiet.

Inlays / Overlays / Teilkronen

Keramik-Inlays, -Overlays und -Teilkronen werden meist im zahntechnischen Labor hergestellt, nachdem die Zähne entsprechend klinisch vorbereitet d.h. präpariert wurden und ein Abdruck erfolgt ist. Neuere computergestützte Techniken (CAD/CAM, siehe unten) ermöglichen zunehmend auch eine Fertigung der Versorgung direkt am Patientenstuhl. Keramische Inlays, Overlays und Teilkronen werden nach entsprechender Vorbehandlung der Zahnsubstanz mit klebenden (adhäsiven) Kunststoffzementen an der Zahnsubstanz (Schmelz/Dentin) befestigt und gewinnen so zusätzlich an Stabilität.

Veneers

Ein Veneer (engl. "Verblendung") ist eine hauchdünne, lichtdurchlässige Keramikschale mit der minimalinvasiv Zähne mit Farb- oder Formproblemen verschönert werden können. Veneers kommen vor allem im Frontzahnbereich zum Einsatz und werden ebenfalls mit klebenden Zementen an der Zahnsubstanz, i.d.R. am Zahnschmelz befestigt. Mit Veneers können leichte Zahnfehlstellungen, Zahnlücken, unbefriedigende Zahnfarben und lokale Verfärbungen korrigiert werden.

Kronen und Brücken

Keramikkronen und Brücken werden im zahntechnischen Labor hergestellt. Hierfür kommen heute ebenfalls zunehmend computergestützte Herstellungsverfahren zum Einsatz. Die Auswahl der Keramik unterscheidet sich bei Kronen und Brücken. Welche Keramik für Kronen gewählt wird, ist abhängig von den ästhetischen Anforderungen und der zu erwartenden Belastung. Bei hohen ästhetischen Ansprüchen kommen in der Regel Glaskeramiken zum Einsatz. Bei hohen Belastungen wie z.B. im Seitenzahnbereich dagegen eher Hochleistungskeramiken wie Aluminiumoxid oder Zirkonoxid.

Brücken aus Keramik werden aus der Hochleistungskeramik Zirkonoxid hergestellt, da nur diese Keramik den bei Brücken auftretenden hohen Kaukräften widerstehen kann. Bisher fehlen jedoch Langzeitdaten klinischer Studien, die aufzeigen, dass keramische Brücken genauso gut funktionieren wie die traditionellen Brücken mit Metallgerüst.

Rekonstruktionen aus Keramik werden in der Regel an der Zahnsubstanz adhäsiv befestigt, d.h. mit speziellen Klebezementen geklebt. Durch die Verklebung kann die Stabilität des Werkstücks gesteigert werden.

CAD/CAM (computer aided design, computer aided manufacturing)

Wie bereits erwähnt stehen heute zunehmend computergestützte Verfahren zur Herstellung keramischer Rekonstruktionen zur Verfügung, welche die Herstellung des keramischen Zahnersatzes entweder direkt am Patientenstuhl oder im Dentallabor ermöglichen. Die Fertigung am Patientenstuhl eröffnet die Möglichkeit, massgefertigte, biokompatible, metallfreie und zahnfarbene Restaurationen aus hochwertiger, dauerhafter Keramik – Inlays, Onlays, Teilkronen, Veneers sowie Kronen für den Front- und Seitenzahnbereich – in einer einzigen Behandlungssitzung herzustellen und einzusetzen. Hierfür macht der Zahnarzt mit einem optischen Scanner innert weniger Minuten eine dreidimensionale Digitalaufnahme der zu behandelnden Kieferregion. Anschliessend wird am Bildschirm die Rekonstruktion konstruiert (CAD), welche mit einer Schleifeinheit vollautomatisch in wenigen Minuten aus einem vorgefertigten Keramikblock herausgeschliffen wird (CAM). Der Zahnarzt kann die Restauration danach sofort anpassen und einsetzen.

Aufwändigere Konstruktionen wie Brücken aus Hochleistungskeramik werden ähnlich diesem Verfahren mittels CAD/CAM-Verfahren im zahntechnischen Labor hergestellt.

Verantwortlich für den Inhalt "Keramik":

PD Dr. med. dent. Irena Sailer, Oberassistentin Klinik für Kronen- und Brückenprothetik, Teilprothetik und zahnärztliche Materialkunde, Zentrum für Zahnmedizin, Universität Zürich

Gold gilt nach wie vor als eines der besten Füllungsmaterialien. Goldfüllungen sind sehr dauerhaft und gewebefreundlich. Allerdings ist das Edelmetall nicht zahnfarben und eine Goldfüllung wegen der aufwändigen Verarbeitung teuer. Reines Gold ist zur Verwendung auf den Kauflächen zu weich; durch Zusätze von Silber, Platin und Kupfer erreicht man harte Goldlegierungen, aus denen sich Goldgussfüllungen herstellen lassen.

Für das Einfügen einer Gussfüllung, Inlay genannt, muss mehr Zahnsubstanz entfernt werden als bei Amalgamfüllungen. Ein Nachteil, der allerdings ausgeglichen wird durch die Vorteile des Gold-Inlays: hohe Abriebfestigkeit und Kantenstabilität, optimale Gestaltungsmöglichkeit im Zahnzwischenraum und auf der Kaufläche sowie hervorragende Verträglichkeit mit der Mundschleimhaut. Nach erfolgreicher Einprobe im Mund werden Gold-Inlays mit Spezialzement im Zahn befestigt.

Es gibt Fälle, in denen kein anderes Material einen zerstörten Zahn so gut restaurieren kann wie Gold. Gold ist korrosionsbeständig und wird in einem Stück gegossen, kann unter Kaubelastung also nicht brechen. Die Verarbeitung setzt seitens des Zahnarztes höchste Präzision und seitens des Patienten eine tadellose Mundhygiene voraus. Ein kariesaktives Gebiss ist für Goldfüllungen immer ungeeignet.

Seit 1818, also seit fast 200 Jahren, gelangt Amalgam als Füllungsmaterial im Seitenzahngebiet zum Einsatz. Vor allem der älteren Generation wurden kariöse Läsionen mit dem silbrig glänzenden Amalgam versorgt. Amalgam hat eine lange Lebensdauer, ist leicht zu verarbeiten und deshalb verhältnismässig kostengünstig. Ästhetisch vermag es wegen seiner Farbe nicht zu befriedigen.

Amalgam ist eine intermetallische Verbindung, die zu ca. 50 % aus Silber, Zinn, Zink und Kupfer und zu ca. 50 % aus Quecksilber besteht. Die pulverförmigen Metallpartikel werden in vordosierten Kapseln mit dem flüssigen Quecksilber vermischt. Die daraus entstehende knet- und stopfbare Masse (malagma = das Erweichende, altgriechisch) wird in den Zahn eingebracht und erhärtet zu einer festen Substanz. Nach ungefähr zwei Stunden ist die Füllung belastbar. Eine Politur der Amalgamfüllung nach deren Aushärtung ist in einer zweiten Sitzung notwendig, da sonst die raue Oberfläche das Anhaften von Belägen fördert. Die Lebensdauer einer korrekt gelegten Amalgamfüllung liegt bei 12 Jahren. Wie bei allen anderen Füllungsmaterialien haben die Reinigungs- und Essgewohnheiten des Patienten und die Speichelzusammensetzung einen Einfluss auf die Lebensdauer der Füllung.

Bestandteil Quecksilber

Quecksilber ist Bestandteil des Amalgams. Elementares Quecksilber ist leicht flüchtig und hoch toxisch. Korrekt verarbeitetes Amalgam jedoch zeigt keinerlei toxische Effekte. Deshalb muss der Zahnarzt den Gebrauchsanweisungen für die Anwendungen strikte folgen. Die überschüssigen und entfernten Amalgampartikel werden gesondert entsorgt. Zahnärzte sind deshalb im Umgang mit Dentalamalgam geschult.

Anwendung von Amalgam

Die heutigen Kompositfüllungen haben Amalgam zum grössten Teil als Füllungsmaterial verdrängt. Für Kompositfüllungen muss die Zahnhartsubstanz hinreichend trocken sein, weil ansonsten der Kunststoff nicht aushärtet und die Haftung an der Grenzfläche nicht ausreicht. Gerade bei tiefen, bis unter das Zahnfleisch reichenden Füllungen ist es manchmal schwierig, die für eine Aushärtung und Haftung des Komposits notwendige Trockenheit zu erzielen. In diesen Fällen ist Amalgam das Material der Wahl.

Das Röntgenbild zeigt am hintersten Zahn im Oberkiefer links einen Defekt unter einer Kunststofffüllung. Das Einbringen einer Kunststofffüllung im interdentalen Zahnhalsgebiet erfordert vorgängig ein gutes Trockenlegen des Füllungsgebietes und eine subtile Schichttechnik, damit die Füllung langfristig erfolgreich bleibt. Die Amalgamfüllung ist hier anspruchsloser.

Sicherheit von Amalgam

Die einflussreiche Gesellschaft ‚American Dental Association’ hat auf ihrer Webseite den Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus dem Jahr 2010 wiedergegeben. Dort wird ein Verbot von Amalgam eindeutig abgelehnt und stattdessen ein „phase down“ befürwortet. Der Bericht bestätigt nochmals, dass Amalgam zu den sichereren zahnärztlichen Materialien zählt und eine praktikable Wahl für die Behandlung von kariösen Zähnen darstellt.

Verantwortlich für den Inhalt "Amalgam":

Biomaterials Science Center an der Universität Basel:

  • Prof. Dr. med. dent. Kurt Jäger, Lehrbeauftragter für dentale Materialien
  • Dr. med. dent. Markus Jungo, Lehrbeauftragter für Materialunverträglichkeiten
  • Prof. Dr. Bert Müller, Thomas Straumann, Professor für Materialwissenschaft in der Medizin

 

 

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