Bern, 4. März 1999. Beim Glaceessen zusammengezuckt? Schmerzen, wenn Sie kaltes Wasser trinken? Müssen Sie in der kalten Winterluft den Mund schliessen? Leute, die unter überempfindlichen Zahnhälsen leiden, können von diesen Symptomen ein Lied singen.
Der Zahn lebt. In seinem Innern befindet sich das lebendige Gewebe, aus dem er entstanden ist: das Zahnmark. Dieses enthält unter anderem Arterien, Venen und Nervenfasern, die von der Zahnmitte bis zur Oberfläche reichen und sich in winzigen Kanälen bis ins Dentin ausbreiten. In diesen Millionen von Kanälen verlängern Flüssigkeiten die Nervenenden. Diese Flüssigkeiten werden durch Wärme, Kälte, oder auch Zucker transportiert und rufen eine Sensibilitätsreaktion hervor.
Zum Glück sind die Mündungen dieser unzähligen Kanäle normalerweise durch die Schicht des Zahnschmelzes geschützt. Am Zahnhals aber, dort wo der Zahnschmelz sehr dünn ist, und am Wurzelansatz, wo kein Zahnschmelz mehr vorhanden ist, können sich die Reize verstärkt bemerkbar machen. Selbst bei Personen mit nur geringfügigem Zahnfleischschwund können deshalb Beschwerden auftreten. Ebenfalls häufig anzutreffen sind sie bei erodierten Zahnhälsen. Diese rühren zumeist von zu aggressivem Zähnebürsten her (zu harte Bürste, die mit zuviel Druck aufgesetzt wird, Verwendung von abrasiven Zahnpasten oder -pulvern).
Schliesslich sollte der Vollständigkeit halber die Überempfindlichkeit erwähnt werden, die nach einer gründlichen Zahnsteinentfernung auftreten kann. Bei Personen mit bereits weitgehend freiliegenden Zahnhälsen (Zahnfleischschwund) kann sich bei einer Generalreinigung eine Überempfindlichkeit einstellen, weil die Wurzeln sehr stark exponiert sind.
Überempfindliche Reaktionen beunruhigen und machen einen glauben, es sei Karies vorhanden, auch wenn dies gar nicht der Fall ist. Überhaupt sind empfindliche Zähne kein effizientes Alarmsignal für Karies, denn es kommt viel zu spät: Empfindliche Reaktionen treten erst auf, wenn Karies bereits das Zahnmark angreift.
Wichtig ist also, dass ein Kariesschaden ausgeschlossen werden kann. Deshalb beginnt die Behandlung überempfindlicher Zahnhälse mit einer sorgfältigen Untersuchung mit Röntgenaufnahmen.
Man wird sich an die richtige Behandlungsmethode herantasten müssen, denn es gibt keine allgemeingültige Lösung für überempfindliche Zahnhälse. Die professionelle Behandlung in der Zahnarztpraxis umfasst das Auftragen von Gels, Lacken, imprägnierenden Lösungen usw. Die verschiedenen Methoden müssen nacheinander ausprobiert und eventuell wiederholt angewendet werden. Um die Behandlung sinnvoll zu ergänzen, sollten zu Hause spezielle Zahnpasten eingesetzt werden. Nach 3–4 Wochen täglichen Gebrauchs wird sich ihre Wirkung zeigen.
SSO-Prospekt Nr. 1021 Zahnhälse – Die Behandlung überempfindlicher Zahnhälse (pdf-Datei, 48 KB)